Steinbutt

Hier wird geteilt – ein Abend im Boathouse Hamburg

Kürzlich nutzten wir die Gelegenheit und verbrachten einen Abend in dem neuen Restaurant von Thomas Macyszyn: Dem Boathouse Hamburg. Mitten im schönen Eppendorf gelegen wird hier das Foodsharing ganz groß geschrieben. Der erste Eindruck ist positiv: Die Einrichtung ist clean und modern, Geschirr und Dekoration unterstreichen durchaus das maritime Feeling des Restaurants. Zwar kamen wir erst Abends an, aber die großen Glasfassaden des Gästeraums versprechen tagsüber einen lichtdurchfluteten Raum, von dem man im Sommer aus auf die angrenzende Terrasse gelangt. Klarer Eyecatcher: Der runde Chef’s Table, der in der Mitte des Restaurants thront. 

Wir kamen in größerer Runde und nahmen deswegen an einem der normalen Tische Platz. Wir wollten selbst erleben wie es ist, gemeinschaftlich zu speisen – und zwar wortwörtlich. Um die Vielfalt der Speisekarte hinreichend auskosten zu können, ließen wir uns von Thomas Macyszyn die Speisen für den Abend zusammenstellen, ohne vorher zu wissen, was uns erwarten würde. 

Die ersten Teller kommen – es wird spannend

Nachdem wir uns zunächst für einen leichten Weißwein entschieden haben, der uns von der jungen Sommelière eingeschenkt wird, beginnt der Teil des Abends, auf den wir uns schon alle gefreut haben. Der erste Teller beherbergt frisch gebackenes Foccacia mit selbstgemachter Aioli. Das Brot ist herrlich weich und die Aioli…nun, ich muss mich zusammenreißen, keinen dritten Löffel zu nehmen.
Kurz danach werden mehrere kleine Teller mit einer hübsch angerichteten Komposition aus Dorade und gegrillter Avocado auf unseren Tisch gestellt. Der Fisch ist schön würzig, was mir persönlich sehr gut gefällt. Der typische Avocadogeschmack passt wunderbar zum Fisch und es dauert nicht lange, bis diese Teller leer sind. Zu meiner Freude stelle ich fest, dass Foccacia und Aioli stetig nachgereicht werden.

Obwohl ich Austern gegenüber etwas skeptisch eingestellt bin, regt der nächste Teller doch meine Neugierde. Die freundlichen Kellner wünschen uns viel Spaß mit der „Auster Bloody Mary“. Mit einem milden Sellerieschaum und Tomaten verfeinert, ist diese Auster wirklich, wie von Thomas Macyszyn vorausgesagt, eine hervorragende „Anfängerauster“. Ich lasse mich auf das Experiment ein und probiere, zum Glück! Die Auster ist wirklich lecker und ich stibitze mir noch eine zweite vom Teller.

Angeregte Gespräche sind im Boathouse Hamburg Pflicht

Mit seinem Foodsharing-Konzept möchte Thomas Macyszyn den Gästen eine ganz neue Art der Kommunikation aufzeigen. Jedes Gericht, jeder Teller soll zum Austausch untereinander anregen. Ich merke schnell: Dieses Konzept geht auf! Am Tisch wird angeregt über die kleinen Happen diskutiert und einem „Reich mir mal bitte die Dorade rüber“, folgt flugs ein „Hast du noch etwas Aioli für mich?“.

Aber neben den Gesprächen darf das Essen nicht vergessen werden – es geht nämlich schon weiter mit den nächsten Fisch- und Meeresfrüchte-Spezialitäten. In einem kleinen Pfännchen kommt eines meiner persönlichen Highlights des Abends: Rote und Weiße Bete mit Yuzugel und gehackten Haselnüssen. Ein bisschen säuerlich, mit dem typischen, leicht erdigen Geschmack Roter Bete erinnert mich dieses Gericht an meine Kindheit. Das Yuzugel bringt eine spannende Komponente in die sonst bekannte Aromenwelt: Ich bin begeistert.
So langsam beschleicht mich ein Sättigungsgefühl, aber noch während ich überlege, eine kleine Pause zu machen, werden schon die nächsten Teller serviert. Da viele der Gerichte kalt an den Tisch gebracht werden, macht es aber gar nichts, wenn man eine kleine kulinarische Verschnaufpause einlegt und sich dem leckeren Wein widmet. So kann es jederzeit nach eigenem Gutdünken mit dem nächsten Teller weitergehen.

Fast zeitgleich mit der Bete wird uns die geräucherte Pulpo Terrine serviert. Diese ist mit kross gebratenen Kartoffelstückchen bestreut und ist für Fans von Terrinen sicherlich ein Leckerbissen – ich probiere nur ein kleines Stück und wende mich dann wieder der Bete zu.

Die nun servierte Schale wird effektvoll vom Küchenchef persönlich direkt am Tisch geöffnet. In dem Beutel verbergen sich aromatisch gegarte Miesmuscheln. Wir sind uns einig: Die Muscheln sind grandios. Gott sei Dank werden uns gleich drei Teller gebracht, sodass jeder genug der frischen Muscheln genießen kann.

Kurz danach erreicht uns die Ceviche vom Heilbutt mit  Quitte, Pumpernickel und Sanddorn, farblich schön in Szene gesetzt durch die feinen Radieschenscheiben. Während ich mir eine kleine Portion zum Probieren auf meinen Teller lege, kommt das Servicepersonal wieder einmal an unseren Tisch, um die Gläser auszufüllen. Ich fühle mich sehr wohl – der Service ist herzlich und aufmerksam!

Nachdem Thomas Macyszyn uns den prächtigen Steinbutt vor der Zubereitung auf einem großen Tablett präsentiert hat, sind wir nun umso gespannter auf das Endergebnis. Von unserem Tisch aus haben wir einen guten Blick in die offene Küche und können schon erahnen, was uns gleich erwartet.

Der Steinbutt wird angerichtet und erreicht nach wenigen Sekunden unseren Tisch – die kurzen Laufwege von Küche zu Gastraum war Thomas Macyszyn ein besonderes Anliegen. Nachdem wir die Teller vor uns haben, darf endlich probiert werden. Der Fisch ist butterzart und einfach fantastisch! Die Limonen Hollandaise ist so luftig, dass sie im Mund förmlich sofort wegschmilzt. Gebettet ist der Fisch auf Fregola Sarda, einer besonderen Pastaspezialität Sardiniens. Die kleinen bissfesten Kügelchen machen sich hervorragend als Beilage. Ein kurzer Blick in die Runde bestätigt meine persönliche Einschätzung: Alle Teller sind bis auf den letzten Rest leer gegessen.

Mandarineneis

Ein weiser Mensch sagte einst: „Egal wie satt du bist, Dessert passt dennoch.“ Wie Recht er hatte, vor allem, wenn das Dessert aus Mandarineneis besteht. Schon eine kleine Löffelspitze ist so unglaublich aromatisch, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Der leicht herbe Mandarinengeschmack, der fast an die getrocknete Schale der Frucht erinnert, wird perfekt ergänzt durch die Schokolade, die sich in unterschiedlichen Variationen auf meinem Teller präsentiert. Das erste Mal sind alle ganz still und genießen – Worte sind hier überflüssig. Wir sind uns jedoch sicher: Im Boathouse Hamburg waren wir nicht das letzte Mal!

Auf einen Blick
  • Restaurant: Boathouse Hamburg (zur Website)
  • Küchenchef: Thomas Macyszyn
  • aktuellste Auszeichnung: Koch des Jahres 2015, GUSTO
  • Datum des Besuchs: 14.12.2016
  • Kontakt: Isekai 1, 20249 Hamburg,
    +49 (0) 40 36035405

Unser Story Factor

9

Service & Gastfreundlichkeit

9.5/10

Ambiente & Stimmung

8.5/10

Speisen & Getränke

8.5/10

Preis-Leistungsverhältnis

9.5/10

Pro

  • tolle Auswahl durch das Sharing-Prinzip
  • offener Blick in die Küche
  • absolut hochwertige Zutaten

Contra

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