Federweisser

Das Getränk mit dem gewissen Bitzeln – Federweißer

Er prickelt herrlich und ist eine spritzig-süße Erfrischung. Die Rede ist vom Federweißer. Mit den ersten Herbsttagen und der Verabschiedung des Sommers beginnt zum Glück etwas anders Großartiges: Die Weinlese und mit ihr die kurze Saison des beliebten, jungen Weines.

Von der Traube zum prickelnden Federweißer

Streng genommen ist das erfrischende Getränk noch gar kein Wein, sondern Traubenmost, welcher sich in der Gärung befindet und somit nur ein Zwischenprodukt darstellt. Doch dieses “Zwischenprodukt” schmeckt wesentlich besser als man vermuten mag und ist dabei noch recht einfach in der Herstellung. Aus früh gereiften, weißen Rebsorten, zum Beispiel Bacchus oder Ortega, wird Traubenmost gepresst. Mit Beginn des anschließendem Gärungsprozesses darf das Getränk dann als Federweißer bezeichnet werden. Durch die Hefe, die während der Gärung den Zucker in Kohlensäure und Alkohol umwandelt, entsteht auch der typische Bitzel (die Kohlensäure) und die milchig-trübe Färbung. Die Länge der Gärung bestimmt hierbei die Süße beziehungsweise Herbe. Je länger man das Ganze gären lässt, desto mehr Alkohol entsteht.

Das Spektrum der Weine, die sich Federweißer nennen dürfen, ist also recht groß. Auch der Alkoholgehalt kann variieren, von anfangs vier bis zu zehn Prozent. Ab elf Prozent gilt er dann als Jungwein. Mittlerweile ist auch eine rotgefärbte Variante entstanden, „Federroter“ genannt. Er schmeckt ähnlich wie Rotwein, entsteht aus roten Rebsorten und tendiert zu herberem Geschmack.

So schmeckt er perfekt: Tipps für den herbstlichen Genuss

Da es sich beim Federweißer oder auch seinem roten Bruder um „lebende“ Weine handelt, die auch in der Flasche noch weiter gären, sollte der Wein nur in luftdurchlässigen Verschlüssen verkauft werden. Daraus folgt, dass er ausschließlich aufrecht stehend transportiert werden darf.  Kann die nach wie vor entstehende Kohlensäure nicht entweichen, bringt dies die Flasche zum Platzen – und dass aus dem bevorstehenden Trinkvergnügen eine ungeplante Putzaktion wird, wünscht sich ja nun wirklich niemand! Möchte man zu Hause eine Flasche Rauscher, Sauser oder wie auch immer man ihn in den unterschiedlichen Weinregionen Deutschlands nennen mag, genießen, rät es sich erst einmal einen Schluck zu probieren. Ist der Geschmack passend, kann der Wein im Kühlschrank gelagert werden, da die Kälte den Gärungsprozess stoppt. Sollte der Wein noch als zu süß empfunden werden, empfiehlt es sich ihn bei Zimmertemperatur aufzubewahren. So kann er weiter arbeiten, bis der gewünschte Geschmack erreicht ist. Regelmäßiges Probieren ist hier (angenehm erträgliche) Pflicht, da sich der Jungwein innerhalb weniger Stunden stark verändern kann.

Jährlich grüßt der Federweißer – aber nur für kurze Zeit

In einer Zeit, in der kaum mehr etwas wirklich Saison hat, sticht das spritzig-fruchtige Getränk hervor, denn Federweißer gibt es wirklich nur ein paar Wochen, da er nicht lange haltbar ist: Längstens drei Monate ab Abfülldatum. Vielleicht erfreut er sich deshalb so großer Beliebtheit – so groß, dass die Winzer ihm zu Ehren zahlreiche Federweißer-Feste geben. Wer nicht sowieso in einer Weingegend wohnt, sollte unbedingt zur Weinlese dort Urlaub machen, denn es ist eine ganz besondere Zeit! Mit in den Weinberg zugehen und selber zu lesen macht die Freude, später Zwiebelkuchen oder andere deftige Speisen zu essen und dabei den ersten Federweißer zu trinken, umso größer. Und bei jedem zukünftigen Glas kann man sich wieder an diese wundervolle Zeit erinnern.

Seinen Namen hat der Federweißer übrigens durch seine tänzelnden, weißen Schwebeteilchen, die an viele kleine Federchen erinnern. Da der Wein nur leicht oder gar nicht filtriert wird, bleiben diese wie auch die milchige Färbung im Endprodukt erhalten. Bis November können wir uns jetzt erst einmal daran erfreuen und so viel Federweißer trinken wie nur möglich – schließlich ist es ja eigentlich fast noch Saft und die Zeit auch viel zu schnell wieder vorbei, wenn man sie nicht geniesst!

Ein Gastbeitrag von Alexandra Becker

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